Nach Phänomen Facebook kommt der Digital Sirocco

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Es ist einfach Zeit für etwas Neues. Nachdem ich im Oktober 2010 mein erstes Buch, Phänomen Facebook, veröffentlicht hatte, war ich auf den Geschmack gekommen. Es ist, als würde man sein eigenes kleines Start-up gründen: Einen Bedarf ausfindig machen, eine Lösung dafür skizzieren, Investoren suchen, ein Design wählen, launchen, selber Interviews geben, Kritik einstecken, usw. – Parallelen gibt es viele. Schnell war klar: Innerhalb der nächsten paar Jahre wollte ich ein neues Sachbuch hinterherschieben. Im Laufe 2010/2011 neue Themen auf – Cablegate von WikiLeaks, die Revolutionen in Nordafrika, die Hacktivisten von Anonymous, die Occupy-Bewegung, die Piratenparteien. Das war frisch, da passierte etwas, Dinge, die alle irgendwie miteinander bzw. mit dem Netz zu tun hatten und nach tiefergehender Beschäftigung und Erklärung verlangten. Gleichzeitig fragte mein Verlag (Ueberreuter) immer wieder nach, ob ich nicht Lust auf ein zweites Buch hätte, und schließlich startete ich mein neues Projekt: Digital Sirocco. Wie man an dem Screenshot unschwer erkennen kann: Bei Digital Sirocco ist Facebook immer noch ein zentrales Thema – denn das Online-Netzwerk steht im Zentrum der großen Diskussion rund um Öffentlichkeit, Privatsphäre und Datenschutz. Facebook-Revolutionen, Facebook-Kampagnen, Facebook-Hacks – es wird sich immer was rund um Zuckerbergs Internet-Firma tun, nur eben eingebettet in größere Zusammenhänge. Tumblr statt WordPress Digital Sirocco ist im Wesentlichen ein Tumblr-Blog, den ich an einem Wochenende ohne Programmierkenntnisse zusammenbaute (ein Freund am anderen Ende der Welt, in Neuseeland, half mir dabei – Details zur Integration von Social-Media-Tools finden sich hier). Er wird mein Buchprojekt von A bis Z begleiten. Bei “Phänomen Facebook” hatte ich erst mit dem Marktstart des Buches einen begleitenden Blog gestartet – ich schrieb online quasi da weiter, wo ich mit Abgabe des Manuskriptes aufgehört hatte. Diesmal schreibe ich den Blog bereits begleitend zum Buchprojekt. Den Anstoß dazu gab mir übrigens Robin Teigland, Associate Professor im Center for Strategy and Competitiveness an der Stockholm School of Economics, die ich im Rahmen der SIME-Konferenz Ende 2011 in Stockholm kennenlernte. Eine gute Idee: Interessierte (z.B. Familie, Freunde, Kollegen, Twitter-Follower, Facebook-Fans) können mitverfolgen, was ich in Sachen Recherche so treibe (z.B. auf Konferenzen fahren) und mit welchen Themen ich mich auseinandersetze, und ich sporne mich selbst an, jeden Tag etwas für das Buch zu tun (dessen Deadline immer näher rückt). Digital Sirocco im Social Web Weil dieser Blog künftig nicht mehr so häufig upgedatet wird, sich bei Digital Sirocco aber fast täglich etwas Neues tut, würde ich sagen: Komm` doch rüber! Wie für Phänomen Facebook habe ich für Digital Sirocco verschiedene Social-Media-Seiten eingerichtet, die man plussen, liken und tumblern kann: Digital Sirocco auf Facebook Digital Sirocco auf Google+ Digital Sirocco auf Tumblr

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Warum Facebook 1 Mrd. Dollar für Instagram zahlt

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Unverhofft kommt oft: Wie aus dem Nichts hat gestern Abend Facebook-Chef Mark Zuckerberg bekannt gegeben, die Foto-App Instagram für eine Milliarde US-Dollar (teils in Cash, teils mit Firmenanteilen) gekauft zu haben. Für viele ist das natürlich ein Wahnsinn: 1000 Millionen Dollar für eine Software, das gerade einmal 12,6 Megabyte groß ist, nur auf iPhone und Android läuft und noch dazu für jeden gratis ist?

Aus der Sicht von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg macht die Übernahme schon mehr Sinn – denn wer, wenn nicht er, weiß um die Macht von Fotos im Internet Bescheid. Sein eigenes Online-Netzwerk hat mit “Facemash” begonnen – einer Webseite, auf der man Fotos von Studentinnen nach deren Sex-Appeal bewerten konnte. Am Campus in Harvard war das ein durchschlagender Erfolg.

Heute ist Facebook die größte Fotosammlung der Welt und verschifft täglich 250 Millionen Stück davon durchs Internet (übrigens auf durchaus interessante Art und Weise, wie ich für die futurezone recherchiert habe – wusstest Du, dass deine Facebook-Fotos in Österreich gespeichert werden?). Doch Facebook hat eine Achillesferse, die Instagram-Gründer Kevin Systrom (heute übrigens um 400 Mio. Dollar reicher) getroffen hat: die mobile Welt.

Die Achillesferse
“Nur” etwa die Hälfte der mehr als 800 Millionen Facebook Nutzer (425 Mio.) nutzen das Online-Netzwerk auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets. Facebook entstammt der Desktop-Welt, und das schadet seinen mobilen Apps. Diese sind mit Funktionen überfrachtet und schwerfällig, während auf genau ein Anwendungsszenario fokussierte Apps wie Instagram (Schnappschüsse teilen) flott vorankommen.

Gelauncht im September 2010, hat es Instagram in etwa eineinhalb Jahren auf rund 50 Millionen Nutzer geschafft. Zuckerberg erreichte erst nach drei Jahren die 50-Millionen-Marke, und hatte nach eineinhalb Jahren maximal 10 Millionen Mitglieder bei Facebook versammelt. In einer Welt, in der laut Studien ab 2013 mehr Menschen via Handy online gehen werden als via Desktop, ist das außerordentliche Wachstum von Instagram natürlich eine Bedrohung für Facebook.

Ausbaumöglichkeiten
Was Zuckerberg wohl weiter zu Denken aufgab: “Ich sehe Instagram mehr als ein Social Network denn als Photo-Sharing-App”, sagte Kevin Systrom im Rahmen der Konferenz SXSW in Austin im März. Zuckerberg gesteht: “Jetzt können wir mit Instagram eng zusammenarbeiten, um ebenfalls die besten Erfahrungen beim Teilen von wunderschönen Handy-Fotos mit Menschen mit den gleichen Interessen anzubieten.” Instagram soll dabei eigenständig bleiben, weiter ohne Facebook-Zwang nutzbar sein und seine Anbindung an den Facebook-Rivalen Twitter nicht verlieren.

Das Know-how von Systroms kleinen Team wird aber fortan in das Online-Netzwerk fließen. Und dabei sollte man nicht nur an Funktionen denken, die Instagram bereits hat (v.a. die Fotofilter und das Design), sondern an das, was die App noch nicht kann. Wenn man Instagram als mobiles Online-Netzwerk rund um visuelle Aufnahmen sieht, sind die Ausbaumöglichkeiten vielfältig: Die Ortung anderer Nutzer und ihrer Fotos via GPS, das Verteilen von Schnappschüssen mittels NFC-Nahfunk, 360-Grad-Aufnahmen à la “Photosynth“, Videos, Check-ins – einfach alles, womit sich Nutzeraktivität erhöhen lässt.

Signalwirkung
Für junge Start-ups (etwa Pinterest, aber auch in Österreich) ist die Instagram-Story wichtig. Sie zeigt, dass Facebook nicht das Ende des Social Web und seiner Expansionsphase ist, sondern erst der Anfang. Kombiniert mit anderen Plattformen wie iOS, Android oder Twitter lassen sich, schlau eingesetzt, neue Dienste blitzartig aufbauen, die bisher Dagewesenes in den Schatten stellen. Es sind keine hohlen Phrasen, wenn Branchenkenner wie Ex-Google-CEO Eric Schmidt zu “mobile first” rät.

Offen ist bei all dem noch, wie Dienste wie Instagram, Facebook oder Twitter mobil Umsatz generieren sollen. Handy-Werbung steckt erst in den Kinderschuhen und wird vom Konsumenten höchst skeptisch wahrgenommen – immerhin findet sie auf dem persönlichsten aller Geräte statt. Ob ein Kaufpreis von einer Milliarde Dollar nun gerechtfertigt ist, sei dahingestellt – Mark Zuckerberg glaubt jedenfalls daran. Insofern sollte man den Deal (wie viele andere übrigens) nicht am Status Quo bewerten, sondern als Facebooks Investment in die eigene Zukunft sehen.

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Jeder sieht die Facebook- Welt, wie sie ihm gefällt

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Kürzlich hat ein Artikel über das neue Buch “Alone Together – Why We Expect More from Technology and Less from Each Other” (“Verloren unter 100 Freunden“) die Gemüter erregt. In dem Werk von Sherry Turkle geht es darum, dass die wachsende Vernetzung der Gesellschaft (z.B. auch via Facebook”) zu mehr Einsamkeit führt. Das bringt sofort zwei Seiten auf den Plan: Die einen, die sagen, dass das stimmt und sie es schon immer gewusst hätten, und die anderen, die meinen, dass das nicht stimmt, weil z.B. Facebook dafür gesorgt hätte, dass sie sich mit mehr Menschen treffen.

Problem Personalisierung
Jetzt kann man entweder mitstreiten und Studien zusammensuchen, die Turkles Behauptung be- bzw. widerlegen – oder sich einmal grundsätzliche Gedanken machen. Denn das wirklich Interessante am “Phänomen Facebook” ist die hochgradige Personalisierung, die dort stattfindet. Der Newsfeed jedes Nutzers ist anders und wird durch das bestimmt, was seine Freunde posten und seinen eigenen Interessen entspricht (z.B. Facebook-Fanseiten, Werbung). Jeder sieht bei Facebook also vorrangig das, was den eigenen Überzeugungen, Einstellungen, Meinungen, etc. entspricht. Anstatt in die weite Welt hinauszusurfen, schwimmt man in der eigenen Suppe im Kreis. Das passiert übrigens auch bei Google, wo die Suchergebnisse immer stärker personalisiert werden – etwa mit der absurden Folge, dass ich zu einem Suchwort zuerst Links zu Artikeln bekomme, die ich selber auf Google+ gepostet habe.

Ich habe dieses grundlegende Phänomen in meinem Buch im Kapitel “Mit Scheuklappen durchs Web” beschrieben, der US-Aktivist Eli Pariser hat dem Sachverhalt ein ganzes Buch, “The Filter Bubble“, gewidmet. Wie man seine Umwelt durch Facebook wahrnimmt, beschreibt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg  so:

“A squirrel dying in front of your house may be more relevant to your interests right now than people dying in Africa.”

Wer suchet, der findet (sich selbst)
Auch Sherry Turkle dürfte aus diesem Teufelskreis nicht ausbrechen können. Als Soziologin hat sie eben vorrangig mit Problemfällen zu tun, die sie etwa in diesem Interview schildert, und das prägt ihre Wahrnehmung. Auch viele andere sind von diesem Phänomen nicht ausgeschlossen: Wer gerne Katzenfotos mag, bekommt diese von seinen Bekannten geliefert, die ebenfalls Katzen mögen, und schon glauben sie, dass das ganze Internet voller Katzenfotos ist. Wer sich politisch engagiert, wird sicher eine Facebook-Gruppe dazu finden, und schon glaubt er, ganz Facebook für seine Sache gewinnen zu können. Und ein Gamer wird bei Facebook auf Hunderte interessante Spiele stoßen, ganz seinem Interesse entsprechend, aber die Katzenfotos und Einladungen zu Demos werden eher an ihm vorübergehen.

Das ist natürlich kein neues Phänomen – Menschen wenden sich seit Jahrtausenden jenen Inhalten zu, die sie interessieren und den eigenen Überzeugungen entsprechen. In der Forschung spricht man vom Hallraum, im Alltag vom Tellerrand und Sturm im Wasserglas. Personalisierte Online-Inhalte (gut fürs Geschäft) werden dieses Phänomen in Zukunft aber weiter verstärken. Facebook selbst wollte die Entwicklung mit einer eigenen Studie widerlegen und schaffte es nicht.

Derweil schreitet die technische Personalisierung unserer Umwelt weiter voran. Die Internet-Brille, die uns per Augmented Reality passende Inhalte (z.B. die Position unserer Facebook-Freunde) auf die Innenseite der Gläser projiziert, ist bereits technisch machbar und in wenigen Jahren Realität – nichts anderes als Scheuklappen auf hohem technischen Niveau.

P.S.: Dieser Blog-Eintrag ist mit höchster Wahrscheinlichkeit ebenfalls ein Resultat der Filter-Blase, in der der Autor sitzt.

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Facebook-Aussteiger: Sie bereuen so gut wie nichts

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Wenn man über Facebook liest/spricht/hört, kommt schnell der Verdacht auf: “Heutzutage ist ja schon jeder auf Facebook.” Wer kurz einen Schritt zurück tritt und sich die offiziellen Zahlen ansieht, der kommt zu dem Resultat: Mit 845 Mio. monatlichen Nutzern sind etwa 12 Prozent der Weltbevölkerung in dem Online-Netzwerk registriert, in Österreich etwa 33 Prozent der Bevölkerung Mitglied. Eine Mehrheit sieht anders aus.

Wie ich bereits in meinem letzten Blogpost beschrieben habe, sollte man nicht dem Irrglauben aufsitzen, dass 845 Millionen Facebook-Mitglieder im Minutentakt ihr komplettes Privatleben nach außen kehren. Denn Facebooks Definition eines tagesaktiven Nutzers (da sind wir übrigens bei “nur” mehr 483 Mio.) sagt, dass der Nutzer irgendwie mit der Facebook-Platform in Kontakt gekommen sein muss. Dazu reicht auch der einmalige Klick auf den Like-Button auf irgendeiner Webseite da draußen oder das einmalige Abspielen eines Spotify-Songs.

Wenn von Wachstumskurven die Rede ist, wird oft übersehen, dass es auch Nutzer gibt, die wieder bei Facebook aussteigen. Solche Wellen hat es immer wieder gegeben, wenn sie auch verhältnismäßig klein sind. In meinem Bekanntenkreis ist mir zuletzt eine Häufung solcher Austritte aufgefallen – das ist noch lange kein Trend und kann purer Zufall sein. Dennoch hat es mich interessiert, warum Guido T., Fabian S. und Jürgen Z. ihren Konten gelöscht haben.

Die Beweggründe
“Das Durcheinanderbrüllen von über 1000 freunden wurde mir unerträglich, zudem waren da etliche Idioten darunter, denen es Spaß machte, mich anzupöbeln. Andere wiederum drängten mir ungefragt details aus ihrem Privatleben auf”, erzählte mir Guido. Der zweite Bekannte, der Facebook den Laufpass gab, hatte einen anderen Grund: “Ich bin bei Facebook ausgestiegen, weil ich zu viel Zeit damit vergeudet habe. Es war ein wenig wie eine Sucht: ich habe x-mal am Tag auf Facebook geschaut, obwohl es mich eigentlich nicht interessiert hat, zu erfahren, wer gerade wo in der Schlange steht oder wem welches neue Musikvideo gefällt. Ich habe das Ganze vor allem als Zeitverschwendung erlebt und konnte nicht recht damit umgehen”, so Fabian. Auch die Firmenpolitik von Facebook kann ein Ausstiegsgrund sein – etwa für Jürgen: “Ich hab mit 500 Kontakten den Überblick verloren und ärgerte mich immer öfter über die Lockerungen der Privatsphäre-Bestimmungen zum Vorteil von Facebook.”

Die Vorteile
Verbesserungen bemerkten meine drei Ex-Facebook-Freunde vor allem in zwei Punkten: Zeitgewinn und Entspannung. “Verbessert hat sich mein Leben schon ein wenig: Ich habe definitiv mehr Zeit, und ich bin eindeutig weniger genervt. Aber der Unterschied zu vorher hält sich in Grenzen. Ich habe ja trotz allem maximal 20  Minuten am Tag auf Facebook verbracht”, so Fabian. Mehr freie Minuten hat auch Jürgen gewonnen: “Ich finde wieder mehr Zeit für Outdoor-Aktivitäten wie Laufen und Radfahren und nehme mir Zeit, mich mit meinen engsten Freunden einfach persönlich zu treffen.” Und Guido brachte es ganz einfach auf den Punkt: “Ich muss mich weniger ärgern. Sonst gar nichts, ich habe nie sehr viel gefacebookt.”

Die Nachteile
Angesprochen auf die aus dem Ausstieg entstandenen Verschlechterungen, bereuten meine drei Ex-Facebook-Kontakte im Prinzip sehr wenig. Am wenigsten Guido: “Nicht das Geringste. Von den 1000 Freunden, die ich stillgelegt habe, kannte ich ca. 950 überhaupt nicht. Mit den anderen 50 hab ich sowieso realen Kontakt.” Fabian konnte allerdings doch einen Nachteil feststellen: “Ich werde weniger zu Veranstaltungen oder Parties eingeladen, habe aber im Grunde nicht weniger Kontakt zu meinen Freunden. Ich muss mich aber mehr selbst darum kümmern und aktiver sein.” Auch Jürgen konnte leichte Defizite beobachten: “Nur ganz selten werde ich gefragt, ob ich auch bei Facebook bin, allerdings tausche ich stattdessen einfach wieder die eMail-Adressen aus. Zu Partys werde ich über meine eMail-Adresse oder per SMS eingeladen. Ich hab das Glück, dass alte Schulfreunde zu meinem engsten Freundeskreis zählen. Somit hat sich für mich durch den Ausstieg bei Facebook kaum etwas verschlechtert.”

Und wie steigt man aus?
Wer jetzt auf die Idee kommt, sein Facebook-Konto ebenfalls löschen zu wollen, der folgt dieser Anleitung, die ich für Futurezone.at geschrieben habe. Berücksichtigen sollte man aber vorher, dass man dann möglicherweise keinen Zugang zu Web-Diensten mehr hat, bei denen man sich mit seiner Facebook-ID angemeldet hat – allen voran der Musik-Service Spotify (mein Blog-Artikel dazu), der nur mit einem Facebook Account verwendet werden kann.

P.S.: Die Interviews mit den drei Aussteigern wurden via SMS, eMail und Telefonat eingefädelt bzw. durchgeführt.

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845 Mio.? Wie Facebook bei Nutzerzahlen trickst

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Wenn man über Facebook schreibt, hat man es neben den Wörtern “Privatsphäre” und “Datenschutz” meistens mit Millionen und Milliarden zu tun. Wie Kennzahlen zu Nutzern und Firmenwert zustandekommen, habe ich schon einmal in einem Blog-Eintrag erläutert. In dem Börsenprospekt (ein Blogbeitrag dazu hier), den Facebook bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat, kommen auch viele Zahlen vor – unter anderem jene, dass sich Facebook derzeit 845 Mio. aktiven monatlichen Nutzern rühmt, 483 Millionen davon sollen täglich mit Facebook in Berührung kommen.

Was heißt hier aktiv?
Dass etwa die Hälfte aller Facebook-Nutzer möglicherweise nur ein einziges Mal pro Monat mit Facebook in Kontakt kommen, macht stutzig. Noch stutziger macht es, wenn man Facebooks Definition eines aktiven Users liest. Auf Seite 44 im Börsenprospekt heißt es:

We define a monthly active user as a registered Facebook user who logged in and visited Facebook through our website or a mobile device, or took an action to share content or activity with his or her Facebook friends or connections via a third-party website that is integrated with Facebook, in the last 30 days as of the date of measurement. MAUs are a measure of the size of our global active user community, which has grown substantially in the past several years.

Im Klartext bedeutet das: Ein Nutzer wird als monatlich aktiv gezählt, wenn er

- einmal einen Like-Button anklickt, der auf einer externen Webseite wie futurezone.at integriert ist
- einen Tweet automatisiert an sein Facebook-Profil weiterleitet
- aus irgendeiner App mit Facebook-Anbindung wie Instagram Content an Facebook weiterleitet
- sich mit seinem Facebook-Logindaten auf einer anderen Seite wie z.B. Pinterest anmeldet
- eine Open-Graph-App wie Spotify nutzt und damit z.B. einen Song teilt
- u.ä.

Es kann also sehr leicht sein, dass ein “aktiver” Nutzer Facebook.com gar nicht besucht hat und dort weder ein Foto hochgeladen noch eine Statusmeldung geschrieben hat – also nichts von dem gemacht hat, was man sich eigentlich so unter einem aktiven Mitglied vorstellt. Wie die New York Times herausgearbeitet hat, stellt das das Geschäftsmodell von Facebook in Frage, weil all diese aktiven Nutzer möglicherweise nie eine einzige Facebook-Anzeige zu Gesicht bekommen.

Und was ist mit Google+ und Twitter?
Kommunizierte Nutzerzahlen sind auch bei Google+ (offiziell 90 Mio. Nutzer) und Twitter (offiziell 100 Mio. aktive Nutzer) ein Problem. Ex-Wired-Schreiber und Buchautor Kevin Kelly etwa hat in einer Analyse aufgezeigt, dass 36 Prozent all jener 560.000 Google+-Profile, die ihn gecircelt haben, so genannte “Geister” sind – also niemals etwas gepostet und nicht einmal ihr Profil ausgefüllt haben. Nur 30 Prozent hätten zumindest einmal etwas veröffentlicht.

Bei Twitter sieht es nicht viel anders aus: Die beiden Journalisten John Herrman und Douglas Main des Online-Magazins Popular Mechanics haben ihre eigenen Twitter-Follower untersucht und folgendes herausgefunden: Nur 25 bzw. 60 Prozent ihrer Follower sind echte Menschen, bei 50 bzw. 20 Prozent handelt es sich um Fake-Profile oder Spam-Bots. Sie stellten außerdem fest, dass aktive Twitter-Nutzer mit großen Follower-Zahlen viel mehr Fake-Follower haben als andere Nutzer.

Was bedeutet das für Journalisten und Social-Media-Agenturen?
Natürlich ist man als Journalist, Blogger, etc. stark dazu verleitet, die offiziellen Zahlen der Social-Media-Dienste zu übernehmen, immerhin geben solche Millionenzahlen jeder Story viel Gewicht. Vielleicht sollte man aber von der Annahme abkommen, dass Facebook, Twitter und Google+ alles und jeden vollständig erfassen und entblößen. Und auch Social-Media-Agenturen sollten – sofern sie das nicht schon tun – ihre Kunden ehrlicherweise darauf hinweisen, was Nutzeraktivität im Facebook-Kontext tatsächlich bedeutet.